Prag – Der Durchschnittslohn in Tschechien stieg im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent auf 50.282 Kronen (etwa 2079 Euro). Im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Vorjahres waren das 3.789 Kronen (etwa 157 Euro) mehr. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate von 1,6 Prozent stieg das Gehalt real um 6,4 Prozent. Dies geht aus Daten hervor, die heute vom Tschechischen Statistikamt (ČSÚ) veröffentlicht wurden.
Das Lohnwachstum fiel jedoch je nach ausgeübter Tätigkeit sehr unterschiedlich aus. Im vergangenen Jahr erreichten die tschechischen Arbeitnehmer nominal 57 % des Durchschnittslohns in der Europäischen Union.
Der Anstieg des nominalen Durchschnittslohns war der höchste seit dem 2. Quartal 2021, wobei damals das Vorjahr als Vergleichsbasis verzerrt war, da 2020 die Covid-19-Pandemie zu Buche schlug. Die Inflationsrate von 1,6 % war die niedrigste seit dem 4. Quartal 2016, was auch zu einem starken Anstieg der Reallöhne führte.
„Die Reallöhne haben im Vergleich zum Vorjahr an Dynamik gewonnen, wobei sich alle Branchen verbessert haben. Das Lohnwachstum war jedoch extrem unterschiedlich. Während die Reallöhne im Immobilienbereich um 20 % und in den Verwaltungs- und Unterstützungsdienstleistungen um 17 % stiegen, stagnierte die Kaufkraft der Einkommen für Beschäftigte im Energiesektor im Jahresvergleich praktisch“, weist Jitka Erhartová, Leiterin der Abteilung für Arbeitsstatistik des Tschechischen Statistikamtes (ČSÚ), hin.
Der Median, also der Lohn des mittleren Arbeitnehmers, betrug 44.337 CZK. Fast zwei Drittel der Beschäftigten, 59 % der Männer und 73 % der Frauen, verdienten weniger als den Durchschnittslohn von 52.202 CZK. Auf der anderen Seite verdienten 0,8 % der Beschäftigten, 1,2 % der Männer und 0,3 % der Frauen, mehr als 200.000 CZK brutto.
Anhaltende Verlagerung hin zum Dienstleistungssektor
Auf dem Arbeitsmarkt ist eine anhaltende Verlagerung vom Primär- und Sekundärsektor hin zu Dienstleistungen und Pflege zu beobachten. Langfristig verändert auch das steigende Bildungsniveau der Bevölkerung die Beschäftigungsstruktur in Tschechien erheblich, was sich auch auf die berufliche Zusammensetzung auswirkt. So stieg beispielsweise seit 2009 der Anteil der Fachkräfte, für die ein Hochschulabschluss erforderlich ist, von 14 % auf über 17 %. Auch der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungs- und Verkaufssektor stieg von 8 % auf 13 %. Demgegenüber sind die Anteile der Führungspositionen (von 7 % auf 4 %) sowie der Handwerker und Reparateure (von 16 % auf 11 %) zurückgegangen.
Ein internationaler Vergleich der Stundenlöhne, der aktuell von Eurostat für das Jahr 2025 in Euro umgerechnet präsentiert wird, zeigt, dass die Tschechische Republik 57 % des Lohn-Durchschnitts der Europäischen Union erreichte. „Seit 2008, als die Tschechische Republik nur 42 % des europäischen Durchschnittslohns erreichte, haben wir uns diesem um 15 Prozentpunkte angenähert. Noch schneller nähern sich ihm jedoch einige ehemals ärmere osteuropäische Staaten, die damit die tschechischen Löhne überholen. Dies gilt insbesondere für Litauen, wo das Lohnniveau von 26 % auf 65 % des EU-Durchschnitts gestiegen ist, sowie für Estland und Polen, die auf 60 % geklettert sind“, so Dalibor Holý, Leiter der Abteilung für Arbeitsmarktstatistik und Chancengleichheit des Tschechischen Statistikamtes. (nk)